Einleitung:

I. Kurze Schilderung der geographischen, historischen und sozialen Gegebenheiten von Ebersgöns

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Etwa 20 km südlich von Gießen an der Lahn liegt in der Südostecke des Kreises Wetzlar das Dorf Ebersgöns. Im Süden und Osten fällt die Gemarkungsgrenze mit der hessischen Landesgrenze zusammen. Die bewaldeten Ausläufer des Taunus umrahmen einen großen Teil des Ackerlandes und lassen nur nach Norden hin das Blickfeld offen. Landschaftlich gesehen zerfällt die Gemarkung in zwei ganz verschiedene Teile, in die im Süden und Westen liegenden letzten Ausläufer des Taunus mit schmalen und engen Tälern und die im Norden und Osten leicht gewellte Landschaft. Hieraus erklärt sich auch die qualitative Verschiedenheit des Bodens; hier zum großen Teil Lößboden und dort die mageren Abhänge mit vereinzelt vorkommenden Kalksteinlagern.

Der Mühlbach durchfließt das Dorf; er liefert das Wasser für die "Wehr" und für die künstliche Bewässerung des Wiesengrundes.

Zu den ältesten Orten einer Gegend gehören ohne Zweifel diejenigen, deren Namen auf "heim" endigen; sie erhalten ihre Bezeichnung von den Erbauern oder den ersten Bewohnern. Vielfach ist diese Endung doch unterdrückt worden, und das auch bei meinem Heimatort. So hieß Göns früher Gunnisheim oder Eberhardts-Gunnisheim (d.h. Eberhardi villa). (1;1. Band 39). Vielleicht kann auch die Endung der vier Orte "Göns" (ohne Schwänz) in Beziehung zu dem Gönsbach stehen, der zwischen Pohlgöns und Ebersgöns entspringt und an den beiden anderen Dörfern vorbeifließt.

Als Familienname kommt von Göns auch schon im Jahre 1111 vor, und zwar trägt ihn eine angesehene hessische Familie. Abicht meint, daß die Familie ihren Namen von einem der Orte Göns habe und zwar von Kirchgöns, weil sie hier ein Gut besaß und der Ort auch der älteste sei. Auch gab es eine Gönser Mark, zu der außer diesen 4 Dörfern noch das eingegangene Dorf Oberholzhausen (bei Dornholzhausen) gehörte.

Ebersgöns muß als sehr alter Ort angesehen werden, denn 1197 wird er schon unter dem Namen Eberhardts-Gunesso in einer Urkunde erwähnt (1; 2. Band 82) . Der Abt Mefried von Arnsburg vertauschte durch diese Urkunde seine Allodien Ebersgöns und Holzhausen gegen Güter in Colnhausen (bei Arnsburg).

Heimatgeschichtlich gehört Ebersgöns in früheren Zeiten zu der Grafschaft Cleeberg. (Kleeberg liegt mit seiner Burg am Kleebach, etwa 4 km westlich von Ebersgöns und gehört heute auch zum Kreise Wetzlar). Im Jahre 1816 fielen die Orte Oberkleen und Ebersgöns an Preußen. Sie gehörten von nun an zum Kreise Wetzlar und dem Amte Atzbach.

Schon seit langer Zeit ist der Ort ein Kleinbauerndorf. Die Bewohner müssen sich zum großen Teil neben ihrer Landwirtschaft einen Nebenverdienst suchen. So gibt es auch heute unter den 85 Familien nur 15, die ausschließlich vom Ackerbau leben. Sie haben je zwischen 7 und 11 Hektar Land. Einen Bauer, der 50 Morgen und darüber hat, gibt es bei uns nicht. Der große Durchschnitt der Familien hat 3 bis 6 Hektar Eigenland, das Frau und Kinder bestellen, während der Mann an seine Arbeitsstätte geht. So sind rund 30 Arbeiter auf dem Kalkofen beschäftigt, der 5 Minuten vom Dorf nach Oberkleen zu liegt. Alle, die hier ihr Tagewerk verrichten, sind aus Ebersgöns und können ihre Feldarbeit im Sommer nach Feierabend noch erledigen. Die restlichen Arbeiter des Dorfes (ausgenommen die Handwerker) sind in den Fabriken von Butzbach beschäftigt. Noch im 19. Jahrhundert waren hier Brennereien, von denen heute jedoch keine mehr erhalten ist.

Der Ort hat heute 88 Häuser mit einer kleinen Kirche und insgesamt 450 Einwohner. Außer 3 Juden sind alle Bewohner evangelisch. Die Gemarkung umfaßt 516 Hektar, wovon 164 Hektar Wald sind. Die Gemeinde besitzt außerdem noch 49 Hektar Wald außerhalb der Gemarkung. 

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