Der größte Teil des Hüttenberger Gebietes ist fruchtbarer Ackerboden, und die Verwurzelung des Bauern mit seinem Grund und Boden war hier besonders stark. Daher hat sich auch hier die Tracht länger gehalten als in anderen Teilen des Kreises Wetzlar, wo der Boden weniger ergiebig war. Als nun nach dem Weltkriege die städtische Kleidung getragen wurde, waren es zuerst vor allem die Mädchen, die aus der ärmeren Schicht der Bevölkerung kamen, welche das Vorbild in der Stadt nachahmten. Sie arbeiteten vielfach in den Fabriken von Butzbach und sahen in ihrer Tracht bald eine hinderliche und unzweckmäßige Kleidung. Von den älteren Frauen, die heute in Ebersgöns nicht das schmucke Kleid tragen, sind von 9 vier aus anderen Trachtengebieten eingeheiratet und tragen ihre Heimatkleidung. Die übrigen 5 tragen städtische Kleidung. (Nach alter Sitte dürfen die Eingeheirateten die Kleidung der Bewohner nicht tragen). Vier hiervon kommen ebenfalls von auswärts, während eine geborene Ebersgönserin aus gesundheitlichen Gründen das Hüttenberger Kleid ablegte und somit die einzige unter ihren Kameradinnen in modischer Kleidung wurde. Bemerkenswert ist nun, daß die Töchter all dieser Frauen das städtische Kleid tragen.

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Nicht zu vergessen sind außerdem 3 Jüdinnen, die die Tracht nicht trugen. Daß die Frauen und Töchter des Pfarrers und Lehrers diese Kleidung nicht trugen, erübrigt sich fast zu erwähnen.

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Wäre nun in jüngster Zeit das allgemeine Ablegen des alten schmucken Kleides nicht gekommen, so hätten diese Frauen bestimmt den Anlaß zum Entsagen der Tracht hier im Dorf gegeben.

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