Das ständige Ringen mit der Scholle und die harte bäuerliche Arbeit hat eine ethisch formende Kraft, die Bindungen schafft, welcher jeder menschlichen Willkür entzogen sind. Aus dem bäuerlichen Kleinleben heraus, in einem Gebiet, das immer Anhängsel eines engbegrenzten Staatswesens war, abgeschlossen von der Welt und eingesponnen in die engen Grenzen der Heimat, erwuchsen in Ebersgöns jene Charakterzüge, die als die spezifischen des Bauern gelten: konservatives Denken und Handeln, Festhalten am Althergebrachten. Außer der Lehrer- und Pfarrerfamilie gab es so hier im Ort nicht eine Familie, die kein Land besaß; auch heute (1939) gibt es nur 5 Familien, die kein Land ihr eigen nennen.

Daher ist auch die Feldarbeit hier nicht auf eine kleine Gruppe beschränkt, die uninteressierte Zuschauer hat, sondern umfaßt alle Dorfinsassen. Alle ersehnen daher bei langer Trockenheit den sehr nötigen Regen und halten während der Ernte Ausschau nach sonnigem Wetter. Bei den Fuhrwerken sieht man das Kuhgespann neben den Ein- und Doppelspännern. (Nur knapp 1/3 der Familien fahren mit 1 bzw. zwei Pferden.) Wenn im Frühjahr das Pflügen und Düngen der Äcker einsetzt, dann sieht man nicht nur die Männer, sondern auch viele Frauen hinter dem Pflug herschreiten oder Dung ausstreuen.

Der Anfang der bäuerlichen Feldarbeit im Frühjahr bringt die im Winter neu geschnittenen Stücke zum Vorschein. Sie werden von der Bäuerin mit einer gewissen inneren Gehobenheit zur Schau getragen. Während der Arbeit auf dem Feld legt man den guten Überrock ab, wechselt die Schürze mit einer blauen Arbeitsschürze und den Motzen mit dem alten "abgeschabten".

Die Unterröcke sind bei den jungen Frauen und Mädchen oft von sehr heller Farbe, werktags ganz ohne Band oder mit einem schmalen, einfarbigen Kattunstreifen besetzt. 

Bei der Arbeits- wie bei der Sonntagstracht kennt die Ebersgönser Trachtenfrau nur den nach gleichem Muster gefertigten Schuh, der sehr flach und niedrig ist und keine Bändel hat . 

Bei aufgeweichten Boden ist dieser Schuh auf dem Feld sehr unpassend, dringt doch ständig von oben die Erde ein und bedeckt bei feuchtem Wetter den ganzen Fußteil des Strumpfes mit einer Erdkruste. Man kann häufig feststellen, daß die Frauen ihre Schuhe ausklopfen, bevor sie den Heimweg antreten. Ist das Wetter noch sehr unfreundlich und rauh, so läßt man das Tuch um den Kopf gebunden und legt ein zweites über die Schultern, kreuzt es auf der Brust und knotet es dann auf dem Rücken über dem Leibchenwulst. Die Werktagstücher können abgetragene sein oder aus einfachen und schlicht wirkenden Stoffen, bei jungen Mädchen allerdings in hellen Farben. Früher bestanden die meisten dieser selbst gehäkelten Tücher aus einfachem Wollgarn mit geknöpften Fransen. Auch wird jetzt der Kragen getragen, der mit seinen beiden Längstteilen in der Spalte des Leibchens zu sehen ist und mit seinem hohen Stehbund den Hals eng umschließt.

An den Achselstücken, um den Hals, wie ebenso an den Innenseiten der Längstteile ist der Kragen mit "Plüsch" (Samt) oder leinenem Waschband besetzt. Überrascht die Frauen im Feld ein Regenschauer, so schlagen sie den Überrock über den Kopf, ohne ihn dabei jedoch an den Hüften loszuhaken. 

Leichter ist die Arbeitstracht im Sommer. Der Kragen wird ganz ausgezogen, der Motzen abgelegt, und statt des Halstuches bindet man eine weiße "Dreieck" (alte und trauernde Frauen eine schwarze) lose um den Kopf.

Der Arbeitsrock ist gewöhnlich ein grauer Beiderwandrock , der je nach Alter der Person heller oder dunkler getragen wird. Das Leibchen mit seinem "Fischbogen" (heute Spanischrohr) am Rande der Bruststücke, ist werktags meistens aus Manchester und zeigt nur das Saumband an den Ärmelausschnitten. Früher hatte das Leibchen die Fischbeinversteifung auch an den beiden Seiten und im Rücken und war daher für Haus- und Feldarbeit sehr unbequem. Die Nestellöcher, durch die die Verschnürung geschieht, werden von Mädchen mit buntem Garn oder farbiger Seide ausgenäht, bei Frauen mit schwarzen Nesteln versehen.

Bei der Arbeitstracht bildet die Kleidung der Heuernte einen Abschnitt für sich. Weil dies eine "saubere" Arbeit ist, mag sie auch viel Schweiß kosten, können die Kleidungsstücke auch bessere sein. Vor allem gehören hierzu ein leichter Schuh, der ein abgelegter Sonntagsschuh sein kann und daher mit schwarzem Samtband eingefaßt ist. Von möglichst heller und auffallender Farbe ist die Schürze und das Leibchen. Der Rock zeigt ein buntes, farbiges Kattunband und bei älteren Frauen ein schwarzes Samtband. Jeder Frau kann man zu dieser Jahreszeit ansehen, zu welcher Arbeit sie unterwegs ist, ob sie zum Heu oder zum Pflanzensetzen geht. Zu dieser Arbeit werden nur die schlechteren Sachen getragen, zu jener aber bessere, die schon an die sonntäglichen grenzen. Dies ist ein uraltes Gesetz, wird heut noch befolgt und auch ganz der Arbeit entsprechend gehalten.

Rückt der 20. Juli heran, so beginnt das Korn zu reifen, und die Bauern ziehen hinaus mit ihren Sicheln und Sensen, andere mit ihren Mähmaschinen und beginnen die erste Frucht zu schneiden. Hierbei gibt es viel Schweiß und Staub, daher ist die bessere Tracht nicht am Platze. Der alte Graurock wird hier angezogen und die "Eisenfeste" (blaue Schürze) umgebunden.

In die Stoppeln passen auch nur alte, derbe Lederschuhe, bessere werden zerbrochen. Das Leibchen wird ganz ausgezogen, und zu sehen sind jetzt die in roten großen Buchstaben genähten Anfangsbuchstaben des Namens der betreffenden weiblichen Person. Nur ein Rock hängt jetzt übereinandergehakt, an den Hüften. Die Hemdärmel werden bei abgelegten Motzen bis zu den Ellenbogen umgeschlagen. Gegen die Sonne werden die Augen durch die Dreieck geschützt. 

Dem Hauptanliegen der bäuerlich-schaffenden Gruppe paßt sich so die Tracht im wechselnden Rhythmus an. Eine große Rolle spielt hierbei das räumliche Beisammensein, das sich vor allem auch da zeigt, wo die Arbeitsplätze Gemeindebesitz sind, wie z.B. das Backhaus in der Dorfmitte und die frühere Tuchbleiche.

Die bäuerliche Arbeit unterscheidet streng Arbeitstage, Zeiten der Ruhe und Feiertage.

So hat z.B. der Samstagnachmittag in Ebersgöns, wie auch in den meisten umliegenden Ortschaften, sein eigenes Gepräge. Der Feierabend wird früh angesetzt, und man merkt deutlich an dem Tun und Treiben der Bewohner, daß der nächste Tag ein Ruhetag ist. Die Fuhrwerke kehren zeitig vom Felde heim, die Straßen werden gefegt, es riecht nach frisch gebackenen Kuchen, und hier und da sieht man eine Frau mit dem Gemüse und Salat für den Sonntag aus dem Garten kommen. Auch läuten um 16 Uhr die beiden Glocken den Feiertag ein. Gegen Abend finden sich dann die Nachbarn auf der Bank vor dem Hause zusammen, die Mutter schaut zum Fenster heraus, es wird über die getane Arbeit der vergangenen Woche geredet und über die Dorfneuigkeiten geredet.

Die jungen Leute stehen in der Dorfmitte oder beim Wirtshaus in Gruppen zusammen, man lacht, erzählt Neuigkeiten, fragt sich gegenseitig, was man morgen anzieht und berät, wie man den Sonntagnachmittag verbringt.

Die Tracht am gewöhnlichen Feiertag zeigt einfachen Aufputz. Man zieht die Sonntagsschuhe an, die mit einem schwarzen Samtband eingefaßt sind und trägt schwarze Strümpfe. Schürzenbänder und Brustschlupp werden nicht angelegt, auch zieren nur einfache bunte Bänder Rock und Motzen. Ab und zu sieht man eine helle Schürze bei jungen Mädchen. Im Winter trägt man außer dem Kopftuch ein Tuch um die Brust, bei warmem Wetter legt man dagegen nur das Kopftuch an, und dieses läßt man häufig um die Schultern hängen.

Auch trägt man anstatt des Kragens die weiße Dreieck, die um den Hals eine weiße Spitze sehen läßt. Früher trug man jedoch auch die Bandhaube. Geht man dagegen zu Besuch auf ein Nachbardorf, so legt man die bessere Tracht an.

Gewöhnlich ist an einem der zwei hohen Kirchenfesttage Tanzmusik in Ebersgöns und im Herbst dann die Kirmes. Dieses bedeutet einen besonderen Abschnitt für die Mädchen und Frauen zur Auswahl ihres Kleides. Alle Festlichkeiten von Oberkleen und Niederkleen werden jedoch auch mitgefeiert. Was die Festtracht betrifft, ist jedoch das Fest im Ort ausschlaggebend. Auf die Nachbardörfer kann man die beste Tracht nicht anziehen, weil man wegen dem weiten Weg der Witterung Rechnung tragen muß. Alle Mädchen tragen am Kirmestag den dunkelgrünen oder blauen Tuchrock mit seidenem oder samtenem Motzen und einer halbseidenen Schürze. Dabei sind Motzen und Schürze auch in Grün oder Blau gehalten. Man trägt an dem Tage auch die breiten Schürzenbänder und den Brustschlupp. Alle Bänder, auch die um Rock und Motzen, sind auf beiden Seiten mit einer Silberborte besetzt und bestehen aus breitem, geblümten Zwerchband. Aus den Motzenärmel quellen breite, steifgebügelte Spitzen hervor, und um die Schultern liegt das grüne, hellblaue und violette Seidenhalstuch mit weißen, roten und anderen abstechenden kunstvollen Stickereien. Man trug früher auch die Bandhaube und tanzte häufig in Hemdärmeln. Dazu legte man den reichverzierten Kragen an, an dessen Stelle trat aber in jüngerer Zeit die weiße Spitzendreieck. Die Schuhe sind aus feinem schwarzen Leder, und um die Samteinfassung ist eine Silberborte genäht. Man zieht eine größere Anzahl Röcke an, damit die Hüften möglichst rund werden und die Röcke leichter in schaukelnde Bewegung versetzt werden können. Wird dann der Dreher (Weuste) getanzt, so blähen sich die Röcke auf und bilden am Rockende einen regelrechten Vollkreis. Interessant ist es, wenn zwei Trachtenmädchen den Weusten tanzen. Da "fliegen" die Röcke, und keiner darf sich wagen, in ihre Nähe zu kommen, um nicht umgeschlagen zu werden.

Die Reichere ist wohl kenntlich daran, daß sie den Kopf etwas höher trägt, Unterschiede in ihrem Kleid gegenüber dem ärmeren Mädchen sind sonst kaum festzustellen.

Bei der Kirmes selbst, die im Freien stattfindet, sitzen die Mädchen dicht nebeneinander an Tischen und bilden eine farbenfreudige und prunkvolle Reihe. Die Burschen stehen in Gruppen zusammen oder sitzen abseits rund um ein Faß Bier. Beginnt der Tanz, so wählen die jungen Männer ihre Tänzerinnen, die nach dem Tanz wieder zu ihren alten Plätzen zurückkehren. Diese Sitte besteht auch heute noch hier im Ort. 

Am Abend ziehen ihre Mädchen den guten Staat aus und tragen einen geringeren Aufputz. Anstatt des Brustschluppes legt man jetzt ein Tuch um die Brust. Dieselbe Kleidung wird auch am zweiten Kirmestag angezogen. Genaue Regeln in der Farbenordnung sollen hierbei nicht bestanden haben. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß sie schon länger in Vergessenheit geraten sind.

 

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